Erektile Dysfunktion-Visual

Definition, Einteilung und Ursachen der Erektilen Dysfunktion

Gemäß Definition der NIH* Consensus Conference zur Impotenz von 1993 leidet ein Mann an einer Erektilen Dysfunktion (ED), wenn er während mindestens drei Monaten keine genügend starke Erektion zustande bringen konnte, die ihm ein befriedigendes Sexualleben ermöglicht hätte. Vereinfacht kann man die Erektile Dysfunktion einteilen in
  • Organische ED
  • Psychogene ED
  • Mischformen

Während man noch bis vor etwa 15 Jahren der Ansicht war, dass die ED zum großen Teil psychologische Ursachen hätte, weiß man heute, dass bei 55 bis 90 Prozent der Patienten eine organische Störung vorliegt.

Die wichtigsten Ursachen organisch bedingter Erektionsstörungen sind Erkrankungen wie Gefäßleiden und Diabetes mellitus, die mit fortschreitendem Alter häufiger auftreten. Die Erektile Dysfunktion kann auch erstes Anzeichen einer vorliegenden Grunderkrankung sein.

Der mit 54% häufigste Ursachenkomplex „Gefäßleiden“ umfasst Gefäßveränderungen mit Perfusionsstörungen, die auf unterschiedlichen Ursachen wie Arteriosklerose und/oder KHK, Diabetes mellitus, Beckentrauma oder -operation, Beckenbestrahlung, Hypertonie, Hyperlipidämie oder Zigarettenrauchen beruhen können.

Erektionsstörungen können auch durch Schädigung oder Blockierung der Nerven, die eine Relaxation der glatten Muskulatur im Schwellkörper vermitteln, verursacht werden. Typische Beispiele sind die periphere Neuropathie bei Diabetes mellitus oder Alkoholismus sowie Multiple Sklerose, Rückenmarksverletzungen sowie eine chirurgische Traumatisierung. Letztere ist eine häufige Komplikation nach Radikaloperationen von Prostata, Kolon, Rektum, Blase oder Samenbläschen und entsteht als Folge von chirurgischer Schädigung der versorgenden Nerven und Blutgefäße. Nach radikaler Prostatektomie beispielsweise beträgt die Prävalenz von Erektionsstörungen bis zu 100%.

Häufig ist Erektile Dysfunktion eine Begleiterscheinung bei medikamentöser Dauertherapie sowie Missbrauch von Tabak, Alkohol und anderen Drogen (Opiaten). Hier sind vor allem blutdrucksenkende Mittel wie Clonidin und Dihydralazin, Herz-Kreislaufmittel wie Digitalis und bestimmte Calciumantagonisten, trizyklische Antidepressiva und Monoaminooxidasehemmer, Diuretika, Kortikoide, Clofibrat, Carbamazepin sowie H2-Antagonisten zu beachten. In vielen Fällen ist die medikamentöse Behandlung eher ein zusätzlicher Faktor als der tatsächlich ursächliche Faktor, der bevorstehende latente Erektionsstörungen manifest werden lässt.

Psychogene Erektionsstörungen können mit Angst, Depressionen, innerer Anspannung, Schuldgefühlen, Stress und Eheproblemen zusammenhängen.

Zu beachten ist immer, dass eine organisch bedingte Erektile Dysfunktion auch zu psychischen Problemen führen kann. Diese Wechselwirkungen zwischen Psyche und Soma sind mittlerweile in Urologie und Psychiatrie anerkannt. Bei jedem Patienten muss daher eine gründliche Abklärung der Ursachen der Erektilen Dysfunktion erfolgen.

*NIH - National Institute of Health